oder was sie immer schon über die männliche Sexualität wissen wollten ...
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Ein richtiger Mann kann immer. Kein Mann kann immer können und Männer wollen auch nicht immer. Trotzdem definieren viele Männlichkeit über die Potenz, entwickeln das Bild einer männlichen Sexmaschine und machen aus der Sexualität einen Leistungssport. Gerade dieser Mythos kann aber zu Potenzstörungen führen, denn Stress ist der größte Lustkiller. Umgekehrt sind gelegentliche Potenzstörungen etwas Normales und wenn es häufiger vorkommt, sollten sich Männer nicht schämen zum Arzt zu gehen. Zudem: Warum wird das Recht "Nein" zu sagen meist nur der Frau zugestanden?
Je größer der Penis, desto befriedigender für die Partnerin. Für "Penisverlängerung" findet Google über 40.000 Stichwörter. Die Frage, ob der eigene Penis groß genug ist, beschäftigt viele, gerade junge Männer. Beim Europäer beträgt die durchschnittliche Länge im erregten Zustand 13,5 cm, wobei 2,5 cm mehr oder weniger im Normbereich liegen. Ein erigierter Penis unter 10 cm gehört medizinisch abgeklärt, meist liegen dann hormonelle Störungen mit anderen Ausfällen vor. Zum Vollzug des Geschlechtverkehrs ist die Länge des Penis eigentlich unbedeutend, da bei der Frau die sensiblen Zonen im vorderen Bereich der Scheide liegen, eher kommt es zu Problemen bei einem überlangen Glied. Zudem ist die Scheide der Frau ein Muskel, der sich anpassen kann. Es kommt also kaum auf die Länge an, als viel mehr darauf, was Mann und Frau damit machen.
Der Mann übernimmt beim Sex Verantwortung und Führung. Mann sein heißt anscheinend immer die führende und aktive Rolle zu haben. Die Frau macht dann vielleicht den ersten Schritt und der Mann hat den Rest zu besorgen. Wenn Männer glauben, die ganze Verantwortung zu haben, stellen sie sich unter unnötigen Leistungsstress. Sie müssen nicht nur wissen, was für sie selber, sondern auch für die Partnerin gut ist, ohne dass sie es selber sagen kann. Wenn es dann nicht so großartig war, wie erhofft, trägt der Mann auch noch die alleinige Schuld. Damit beide ihre Sexualität gemeinsam lustvoll erleben können, müssen beide für sich Verantwortung übernehmen und ihre Bedürfnisse äußern.
Sex ist nichts mehr für ältere Menschen. Natürlich lässt die Potenz im Alter oft nach, deshalb muss sie aber nicht verschwinden. Die Sexualität mag sich verändern, aber auch ältere Menschen sind sexuelle Wesen. Möglicherweise wird dann eben mehr gekuschelt und die Frau bekommt, was sie vielleicht manchmal schon lieber gehabt hätte. Auch Kuschelsex ist Sex!
In einer normalen Partnerschaft hat mann/frau 3 mal pro Woche Sex. Nirgends wird so viel gelogen wie beim Sex und das gilt auch für jede Umfrage. Auf Dauer ist sicher nicht die Häufigkeit des Sex das Qualitätskriterium einer Beziehung. Die Sexualität verändert sich im Laufe einer Partnerschaft und es kann Zeiten geben, in denen anderes wichtiger wird. Nur die Partner selber können entscheiden, wie viel Sex für sie stimmt - da gibt es kein 'normal'. Ebenso wenig sollten sich Männer von der Protzerei untereinander anstecken lassen.
Beim Sex sollte der Mann vor allem versuchen, die Frau zum Orgasmus zu bringen. In dieser Einstellung übernimmt wieder der Mann die ganze Verantwortung für die Frau und lädt einen großen Druck auf sich. Wenn Männer glauben, nur dann ein ganzer Mann zu sein, wenn sie bei der Frau ein mittleres Erdbeben auslösen, sieht sie sich eben manchmal gezwungen, dieses Erdbeben vorzuspielen, um ihn nicht zu enttäuschen. Vielen Frauen ist es gar nicht so wichtig, jedes Mal einen Orgasmus zu haben. Zudem darf sich der Mann auch darum kümmern, wie er selber einen lustvollen Orgasmus erlebt. Der Orgasmus der Frau kann nicht einfach der Stress des Mannes sein.
Guter Sex ist spontan, da gibt es nichts zu planen oder zu reden. Junge Burschen glauben, Sex gehe von selber, bis sie dann beim ominösen ersten Mal meist anderes erleben. Im Sex gilt wie überall im Leben: Kein Meister fällt vom Himmel. Spontaner und gleichzeitig guter Sex setzt sehr viel Kenntnis voneinander voraus, viel Vertrautheit und gemeinsame Erfahrung. Nur im Pornofilm funktioniert es nach Drehbuch und das im wörtlichen Sinn; also wieder geplant. Dagegen kann es wertvoll sein, sich über die eigenen Wünsche, die eigene Lust und Unlust auszutauschen. Und im Alltag einer Partnerschaft kann geplanter Sex manchmal besser sein als gar kein Sex.
Der Mann muss aus Höflichkeit Triebkontrolle lernen. Männer und Frauen erleben ihre Sexualität unterschiedlich und vor allem die Erregungskurven sind nicht gleich. Daraus ist das Ideal abgeleitet worden, dass der Mann ständig seinen Trieb kontrollieren müsse, um die Frau befriedigen zu können. Nicht selten gehen höfliche Männer dann zum Ausgleich zu einer Prostituierten, um ihre Sexualität einmal ungestüm ausleben zu können. Sexualität ist ein lustvolles Miteinander, das nicht immer nur nach einem Muster ablaufen muss. Ein lustvolles Mehrgangsmenü und ein heftiger Quicky müssen sich nicht gegenseitig ausschließen.
Männliche Sexualität ist kraftvoll, zupackend und schnell. Männliche Sexualität braucht sich nicht nur 'höflich' zu zeigen. Sie kann und darf ruhig auch kraftvoll, zupackend und schnell sein. Darin zeigt sich nicht zuletzt ein heftiges Begehren gegenüber der Frau. Andererseits verleugnen manche Männer ihre umgekehrten Bedürfnisse nach Zärtlichkeit, Kuscheln, Entspannung und lustvollem Genießen. Es ist auch für Männer etwas Schönes, sich beim Sex entspannen zu können oder sich einmal passiv erleben zu dürfen. Manchmal glauben Männer sogar 'zu müssen' in der Annahme, die Frau erwarte es.
In einer funktionierenden Partnerschaft muss man sich nicht selbst befriedigen. Vermutlich haben diese beiden Dinge wenig miteinander zu tun. Die meisten Männer tun es und auch viele Frauen unabhängig davon, ob sie in einer funktionierenden Partnerschaft leben. In der Pubertät dient es Jugendlichen, sich selbst und ihren Körper zu erfahren und kennen zu lernen. In bestimmten Phasen kann es den Geschlechtsverkehr ergänzen oder ersetzen, wenn z. B. ein Partner aus körperlichen Gründen keinen Geschlechtsverkehr vollziehen kann. Ansonsten ist Selbstbefriedigung kein Ersatz für Geschlechtsverkehr, sondern einfach eine Möglichkeit, sich selber Spaß und Lust zu verschaffen. Dieses wörtliche 'sich selbst befriedigen' hat viel mehr mit Entspannung zu tun.
Männer haben Angst vor schwulen Männern. In vielen Männern steckt eine verborgene Angst schwul zu sein. Das hindert sie auch, zu Männern in näheren körperlichen Kontakt zu gehen; außer beim Sport, wo mann sich heftig in die Arme fallen darf. Schlimm wird es dann, wenn sie wirklich schwulen Männern begegnen. Da kommen sehr schnell unangenehme Fantasien hoch. Doch Homos begrapschen ebenso wenig andere Männer, wie Heteros nicht ständig Frauen begrapschen. Vielleicht wäre es an der Zeit, den schwulen Männern die Hand zu reichen. Wir würden erfahren, dass wir uns nicht 'anstecken', dass wir vor ihnen keine Angst zu haben brauchen und schlussendlich, dass wir keine Angst vor uns selber und unserer sexuellen Identität zu haben brauchen. Es könnte für beide ein befreiender Handschlag sein.